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Berichte

- Frauenfeindlichkeit und Schwulendiskriminierung in Musiktexten

- Presseerklärung des LSVD

SZ Aktikel der Jump Seite

- Hip Hop mal anders: Bericht vom Jugenserver-Saar


 


Erschienen:15.12.2004
 Ressort:Lokales

Verfasser:von sz-mitarbeiterin
Vicki Butenschön
 
„trend“ der musikbranche
Nur noch diskriminierend

Es gibt in Deutschland Musiker, die sich gegen Diskriminierung und Faschismus aussprechen. Nicht aber gegen Frauenfeindlichkeit und Schwulendiskriminierung in Musiktexten. Derzeit verbreiten vor allem Berliner Rapper, aber auch andere Stars, ihre Botschaften in aggressiven Texten. Und genau darauf will Youth See, eine Gruppe engagierter Jugendlicher aus dem Saarland, aufmerksam machen.


Saarbrücken. Youth see. Wie es der Name schon andeutet, ist Youth See eine Jugend-Organisation. Doch ihr Ziel liegt nicht darin, irgendwelche Freizeitaktivitäten anzubieten, sondern in etwas weniger alltäglichem – die Aufklärung. Um Jugendliche auf gewisse Hintergründe aufmerksam zu machen. Um ihnen ein besseres Verständnis zu verschiedenen Themen zu ermöglichen. Derzeit liegt ein Hauptaugenmerk von Youth See auf der aktuellen Musikbranche. So weisen die Jugendlichen, die namentlich nicht genannt werden wollen, darauf hin, dass Musiktexte bekannter Künstler wie Bushido oder auch Eminem mitunter frauenfeindlich sind und Schwule diskrimieren. In einem Besuch bei der Jump-Redaktion in Saarbrücken verraten uns drei engagierte Vertreter der Gruppe ihre Gründe, ihre Ideen, ihre Probleme und Ziele – zum Beispiel, dass Radiosender diese Musik nicht mehr verbreiten.

Willkommen in der Steinzeit
Doch woher kommt diese momentane Bewunderung für Diskriminierungs-Lyrik? Wie kann es sein, dass sich diese Musik schon unter Zwölf- und 13-Jährigen so gut verkauft? Findet man sich jetzt etwa „cool“, wenn man nicht mehr Schimpfwörter gebraucht, sondern sie auf dem MP3-Player mit sich rumtragen kann? Wie ist es möglich, dass wir in einer Epoche der Emanzipation leben, aber Liedern nachträllern, in denen Frauen als Objekte (willkommen in der Steinzeit...) und Schwule wie Behinderte als „Dreck“ bezeichnet werden. „Natürlich haben wir darüber nachgedacht, dass es in gewisser Weise Jugendsprache ist. Aber auch die hat ihre Grenzen“, sagt einer der Mitglieder von Youth See. Und auch die Autobiografie der Interpreten rechtfertige weder den Gebrauch von obszönem Wortschatz, noch die hasserfüllten Meinungen. Vielmehr glaubt Youth See, dass es eine Art Modeerscheinung ist. Man dürfe eben nicht alles glauben, was ein Rapper von sich gibt. Schließlich gehe es letztlich nur um die Frage, wieviele Platten er mit seiner Musik verkaufen kann.

„Das ist Intoleranz“
Zurück zu den fragwürdigen Gründen des Zuspruchs: Während Frauen als unwürdige Nutzgegenstände betrachtet werden, bejubeln tausende Groupies die Sänger. Psychische Verwirrung? Fehlendes Textverständnis? Masochistische Untergebenheit oder bloß offensichtliche Dummheit? Die Musiktexte vergreifen sich nicht nur am Kampf der Geschlechter. So werden Homosexuelle oft scharf angegriffen, Beispiele gibt es ausreichend. „Diese Intoleranz ist doch wieder nur eine Folge von Angst vor dem Unbekannten“, sagt einer von Youth See. Auch die Tatsache, dass in den Texten Behinderte attackiert werden, sei keineswegs „cool“ oder „in“, sondern ein Zeichen von Feigheit und Schwäche. Youth See macht all das öffentlich. „Sei es durch Flugblätter oder in verschiedenen Medien, zum Beispiel auf unserer seit kurzem online gegangenen Internetseite. Unser Ziel ist es, Musikliebhabern klar zu machen, was sie hören“, sagt ein Sprecher. Und selbst wenn es einige wenige gibt, die diese Musik aus Überzeugung hören, muss es denn so feindlich sein? Youth See glaubt, dass die meisten gar nicht wissen, was sie hören. Und genau da wollen die Jugendlichen aus dem Raum St. Ingbert ansetzen. Sie informieren und publizieren – und das für eine bessere Musik. „Wir wollen sie nicht verbieten. Wir wollen nur, dass die Leute endlich merken, was für eine Musik sie sich eigentlich antun. Es geht nicht darum, dass wir die Musik nicht hören wollen. Es geht darum, den Leuten bewusst zu machen, welche Meinung sie mit dem Kauf dieser Musik unterstützen.“

Hintergrund
Youth See weist auf Frauenfeindlichkeit und Schwulendiskriminierung in den Songtexten bekannter Musiker hin. So stempelt Bushido in seinen Texten Frauen als Objekte ab. Youth See nennt Textbeispiele: „Kommt mit aufs Mädchenklo. Ihr wollt Romantik? Ich ficke mit der Faust. Ich mag es, wenn du weinst.“
Weitere Beispiele finden sich in den Texten von Sido, der zusammen mit Freund und Kollege B-Tight das Lied „Der Neger“ aufgenommen hat: „Es ist nicht schwer rauszufinden, wer an allem schuld ist, frag den Neger. “ Oder: „Der Neger ist ein Ego und kümmert sich nur um sich.“ red

 

Gegendarstellung:

von sz- Mitarbeiterin Melanie Beres

Musik ist zum Tanzen da

Warum die Songtexte nicht ganz so wichtig sind

Saarbrücken. Die Tanzfläche in der Disco ist mal wieder überfüllt. Man kann sich nur schwer bewegen, weil kaum Platz ist. Viele Discobesucher wissen wahrscheinlich jetzt schon, wovon ich rede: Hip-Hop und R&B werden aufgelegt. Aber woran liegt das, dass so viele Leute diese Musikrichtung mögen, wo doch einige Künstler in ihren Texten frauendiskriminierende und auch rassistische Äußerungen von sich
geben? Ich selbst höre diese Musik und liebe es, darauf Party zu machen. Und so geht es sicher nicht nur mir. Selbst Freunde von mir, die eigentlich kein Hip-Hop hören, stürmen auf die Tanzfläche, sobald die ersten Takte eines Liedes anlaufen. Viele Jugendliche hören die Musikrichtung Hip-Hop, und die Künstler, die diese Musik machen, werden immer erfolgreicher. Ich denke, dass den meisten Leuten die Textinhalte einfach nicht so wichtig sind. Ihnen ist es wichtiger, auf die Musik abfeiern zu können und dass ihnen einfach die Art der Musik gefällt. Der Rhythmus und alles, was dazu gehört. Vor allem bei amerikanischen Hip-Hop-Stars macht sich wohl niemand darüber Gedanken, was genau sie jetzt rappen und ob dies vielleicht sexistisch sein könnte. Hip-Hop und R&B ist einfach die beste Musikrichtung zum Tanzen – und
wenn man sich mal umschaut, ist in Discos, in denen gemischte Musik läuft, die Tanzfläche bei Techno viel leerer. Natürlich gibt es Texte, deren Inhalt übertrieben ist. Und das muss sicher nicht sein. Frauenfeindliche und diskrimierende Texte unterstütze ich sicher nicht. Aber wenn ich einen tiefgründigen und intelligenten Text vor mir haben möchte, kann ich auch ein gutes Buch lesen, das diese Kriterien erfüllt. Und mal ehrlich, wenn man nach Musiktexten geht, darf man zum Teil auch Rockmusik, Techno und sogar manche Party-Schlagerlieder („Zeig doch mal die Möpse“) nicht hören. Wenn einem also Liedtexte richtig wichtig wären, dürfte man nur noch Volksmusik, Lieder ohne Text, Klassik oder Kinderlieder hören.